PR-10 Ella Müller

Liebe Freundinnen und Freunde,

 

seit knapp einem Jahr bin ich Mitglied im Parteirat und bewerbe mich hiermit ein weiteres Mal um eure Stimmen. Ich komme ursprünglich aus Hamburg, bin zum Studium nach Freiburg gezogen und untersuche seit 2013 in meinem Promotionsprojekt die Geschichte der amerikanischen Gegenbewegung zur Umweltbewegung.

 

Im letzten Jahr habe ich den Parteirat als ein Gremium kennengelernt, das sich auch mit strukturellen Fragen beschäftigt, die unabhängig von tagespolitischen Problemen sind. Zwei Themen sind mir dabei besonders wichtig:

 

Zum einen die Dezentralisierung der Parteiarbeit. Unsere Regierungsverantwortung hat den Fokus auf die Landeshauptstadt noch einmal verstärkt. Pragmatische Überlegungen führen außerdem immer wieder dazu, wichtige Foren der innerparteilichen Verständigung im Raum Stuttgart auszurichten, schließlich liegt die Stadt gut angebunden in der Mitte des Landes und scheint damit ein verträglicher Kompromiss. Diese Zentralisierung hat durchaus positive Aspekte und die Parteiarbeit durchzieht ein hohes Maß an Professionalität. Aber sie hat eben auch ihren Preis: Die Möglichkeiten der Teilhabe der Mitglieder und Kreisverbände sind weiterhin sehr ungleich verteilt und es fällt uns auch nach sechs Jahren als baden-württembergische Volkspartei schwer, uns in ländlicheren Gebieten und in der Peripherie Gehör zu verschaffen. Es wird höchste Zeit, dass wir Wege finden und auch Mittel zur Verfügung stellen, dieser Zentralisierung aktiv entgegenzuwirken. Nur so können wir die Grüne Partei nachhaltig im ganzen Land stärken.

 

Zum anderen muss es uns gelingen, unsere Politik im Land noch besser zu erklären. Dabei kann es nicht nur darum gehen, landespolitische Einzelerfolge zu vermarkten. Es muss auch weiterhin unser Anspruch sein, die Grün-Schwarze Koalition als Ganzes zu erklären. Politische Verantwortung besteht nicht nur darin, Kompromisse einzugehen – politische Verantwortung besteht auch darin aufzuzeigen, welche Möglichkeiten die Verbindung zweier demokratischer Parteien mit sich bringen kann. Damit haben wir in der Präambel unseres Koalitionsvertrags bereits begonnen, doch mit dem Regierungsalltag ist eine (durchaus berechtigte) Ernüchterung eingetreten. Trotzdem bleibt es unsere Aufgabe, die Sinnhaftigkeit der Grün-Schwarzen Koalition kenntlich zu machen, denn unsere Anfangsdiagnose von 2016 bleibt richtig: Es handelt sich immer noch um ein Bündnis, das die „bürgerliche Gesellschaft in ihrer ganzen Breite abbildet“. Und dabei geht es um mehr als nur darum, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Wir dürfen keine Angst davor haben und müssen uns der Aufgabe stellen, Bürgerinnen und Bürger für unsere Politik zu begeistern – und das umfasst auch das Regierungsbündnis, das wir hier in Baden-Württemberg eingegangen sind.

 

Seit September sitzt mit der AfD eine anti-liberale Partei im Bundestag. Vor diesem Hintergrund tragen wir eine besondere Verantwortung: In einer Zeit, in der etablierte Parteien verunglimpft und demokratische Zusammenarbeit delegitimiert werden, sind wir dazu verpflichtet, den Wert von Kompromissen zu erklären – auch hier in Baden-Württemberg. Wie selten zuvor braucht es dafür Geduld und Kraft. Vor allem aber müssen wir gelassen bleiben und mutig sein, wenn wir für unsere positive Gesellschaftsvision werben, während andere den Untergang prophezeien.

 

Für diese Themen und Ziele möchte ich mich im Parteirat engagieren und hoffe dabei auf eure Unterstützung. Vielen Dank!

 

Ella

 

Biografie

  • geboren 1986 in Vorwerk, aufgewachsen in Hamburg
  • 2005-12 Studium der Geschichtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Freiburg
  • seit 2013 Promotion in amerikanischer Zeitgeschichte an der Uni Freiburg
  • seit 2015 Kreisvorsitzende in Freiburg
  • Mitglied der Freiburger Wahlkampfkommission für die Landtagswahl 2016 und die Bundestagswahl 2017
  • seit 2016 Mitglied im Parteirat

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